Nicht nur bei Verbraucherkreditverträgen, sondern auch bei privaten Lebens- oder Rentenversicherungsverträgen besteht die Möglichkeit, wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung rückwirkend eine Vertragsauflösung zu erreichen; diese Möglichkeit ist interessant für Versicherte, die eine derartige Lebens- oder Rentenversicherung vorzeitig auflösen wollen; anstatt einer Kündigung, mit der teilweise erhebliche Verluste einhergehen, sollten die Altverträge überprüft werden, ob der Versicherer ordnungsgemäß über das Widerspruchsrecht belehrt und informiert hat; verneinendenfalls besteht die Möglichkeit zurückzutreten; betroffen sind Verträge aus der Zeit zwischen Juli 1994 und Ende 2007, wobei auch Rürup- oder Riester-Verträge betroffen sein können. Die Rechtslage ist vergleichbar mit der von Verbraucherkreditverträgen, insbesondere für Immobilien; schon 2014 hat der Bundesgerichtshof mit einem grundsätzlichen Urteil entschieden, dass auch bei privaten Kapitallebens- und Rentenversicherungsverträgen die Möglichkeit besteht, rückwirkend zu widersprechen, wenn die Widerrufsbelehrung fehlerhaft war – Aktenzeichen IV ZR 76/11.

 

Ein Widerruf ist gegenüber einer Kündigung unvergleichlich interessanter; im Falle der Kündigung wird nur der Rückkaufswert der Police ausgezahlt. Im Falle eines Widerspruches muss die Versicherungsgesellschaft zusätzlich auch Abschluss- und Verwaltungskosten erstatten und die Ansprüche des Versicherten verzinsen (vgl. auch BGH-Urteil IV ZR 384/14).

 

Eine Überprüfung, gegebenenfalls mit anwaltlicher Hilfe, der früheren Versicherungsverträge ist empfehlenswert.

Ähnliche Beiträge
Impressum_Header_cleanImpressum_Header_clean